Wo zum Kuckuck sind die Palmen?
101 Anekdoten aus Mallorca
Fabylon Verlag, 2017
231 Seiten
ISBN 978-3-943570-85-4

Inhalt
In 15 Kapiteln werden verrückte, amüsante und interessante Geschichten erzählt, die sich auf der Insel ereignet haben oder in denen Mallorca oder Malloorquiner eine wichtige Rolle spielen.

Beispiele:
Anekdote 20 erzählt, warum sich der berühmteste Komponist, der je auf Mallorca tätig war, auf dieser Sonneninsel ausgerechnet vom Regen zu einem Stück inspirieren ließ.
Anekdote 22 schildert, wie Agatha Christie bei ihrer Ankunft auf Mallorca zum Opfer einer peinlichen Verwechslung wurde.
Hauptfigur von Anekdote 37 ist eine mallorquinische Athletin, die vor mehr als 100 Jahren in einem aufsehenerregenden Wettkampf einen Mann besiegte.
Anekdote 39 erklärt, warum der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Neujahrsansprache auf Mallorca aufzeichnen ließ.
In Anekdote 42 begleiten wir die Tochter eines US-Präsidenten auf einer Rundfahrt durch Palmas Rotlichtviertel.
Anekdote 45 enthüllt, wie das Thema Ballermann zu Chaos in deutschen Kinos und mehr Ordnung an der Playa de Palma führte.
Anekdote 49 verblüfft mit der Geschichte über einen mallorquinischen Gelehrten, der die Beatles zu einem Lied inspirierte.
In Anekdote 53 wird ein Pianist beinahe von einem Zug überrollt – während eines Konzertes!
Anekdote 55 erinnert an den einzigen Mallorca-Themenpark, den es je gegeben hat – nicht auf Mallorca, sondern im fernen Japan!
In Anekdote 65 legt eine spezialisierte Bande im Nobelviertel Son Vida einen Coup hin, der sogar der spanischen Polizei Respekt abnötigt.
In Anekdote 68 erfährt man, wie eine Klobürste in einem Herrenhaus in Palma zum spanienweiten Symbol für Korruption wurde.
In Anekdote 72 wird erklärt, wie der karthagische Feldherr Hannibal zum Ehrenbürger von Palma wurde.
Und in Anekdote 97 wird es gespenstisch: Ein gewisser Will Kauffmann entdeckt, dass er ein verwunschenes Gemäuer gekauft hat – das heute als Kulturfinca bekannte Landhotel Son Bauló.

Hintergrund
Seit über 20 Jahren sammle ich Mallorca-Informationen unterschiedlichster Art, die ich teilweise in meiner Tätigkeit im Journalismus und in der Werbebranche verwendet habe. Als ich die Idee zu einem Anekdotenbuch hatte, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass es so etwas auf dem Markt noch nicht gab. Am Mangel an Material kann es nicht liegen. Also beschloss ich, die kuriosesten Anekdoten zu einer Sammlung zu bündeln.

Leseprobe
Anekdoite 14: Der Kikeriki-Champion

… oder: Hahnenkampf auf Mallorquinisch

Der Gemeindearbeiter Miquel Vives und seine Kollegen staunten ein wenig, als vom Rathaus der Auftrag kam, zehn Käfige zu bauen. Als ihm mitgeteilt wurde, wofür die Dinger gut waren, dachte er noch: »Was für ein Quatsch!« Das war 1995, und die merkwürdige Aktion, die im Rahmen der Johannisnacht-Feier im Dorf Son Servera stattfinden sollte, bestand in einem Hahnenschrei-Wettbewerb.

Seither ist auf Son Servera viel Sonnenlicht vom Himmel heruntergeflossen und heute ist derselbe Miquel Vives ein historischer Champion des »Cant de Gall«. Mit verschiedenen Hähnen hat er daran teilgenommen, und gerne erinnert er sich an das Jahr 2012, als sein Super-Kräher »Revetler« den von einem anderen Hahn aus seinem Gehege aufgestellten Rekord zertrümmerte: 144 »cantadas«.

Worin besteht dieser sonderbare Wettkampf? Man stelle sich einen Platz mit einer improvisierten Tribüne vor. Darauf stehen die Käfige, und darin warten die Wettkämpfer, sprich Hähne, auf den in diesem Fall visuellen Startschuss. Es ist Abend und die Dunkelheit bricht herein. Dann, Punkt 22 Uhr, tauchen mächtige Scheinwerfer die Szenerie in gleißendes Licht – damit wird (nicht sonderlich romantisch) ein »Sonnenaufgang« simuliert. Ab diesem Moment geht es um die Wurst: Jener Hahn, der in den folgenden 60 Minuten die meisten Kikerikis von sich gibt, hat gewonnen.

Regeln gibt es keine. Die Besitzer dürfen während des Wettkampfs »coachen«, soviel sie wollen. Was ohnehin nutzlos ist: Miquel Vives, der schon mit verschiedenen Hähnen gewonnen hat, gesteht öffentlich, dass er seine Tiere nicht »trainiert«. Denn wie man einen Hahn dazu bringt, möglichst oft zu krähen, hat trotz einer langjährigen Wettkampftradition noch niemand herausgefunden. An Versuchen hat es nicht gemangelt. Miquel Vives etwa gab einem seiner Hähne den Namen eines bekannten spanischen Popsängers (»El Fary«).

Die Nutzlosigkeit solcher Bemühungen wurde offensichtlich, als die Hähne bei einer Gelegenheit nahezu stumm blieben. Die Beleuchtung ging an und während einer Stunde »brachte kaum einer den Schnabel auf«, wie sich ein Ohrenzeuge erinnert. Die Besitzer griffen auf alle erdenklichen Tricks zurück und entwickelten dabei eine erstaunliche Kreativität. Einige etwa hielten ein Handy gegen den Käfig und ließen ein gespeichertes Kikeriki ertönen, um ihren Hahn zu animieren. Es nutzte alles nichts – in jenem Jahr trug ein schlapper Kräher mit nicht einmal einem Dutzend Hahnenschreien den Sieg davon.

Hintergrund
Das ländliche Mallorca ist nicht der einzige Schauplatz derartiger Veranstaltungen. In dem Spielfilm »Die fünfte Jahreszeit« (La Cinquième Saison, Holland-Belgien-Frankreich, 2012) dient der Hahnenschrei-Wettkampf als Synonym für »absurde rurale Traditionen«, wie ein Kritiker schrieb. Auf Mallorca reiht sich der »Cant de Gall« in einen Trend ein, der vor allem auf dem Land durchschlägt: Die Erfindung »neuer Traditionen« und das Anknüpfen an alten. Fast jedes Dorf hat in den letzten zwei Jahrzehnten seinen eigenen Themen-Jahrmarkt ins Leben gerufen. Oft ergreift die Dorfjugend die Initiative und vermischt Brauchtum und neue Ideen zu Veranstaltungen, die manchmal eine urban anmutende Verrücktheit aufweisen (z.B. das »Muc«-Fest in Sineu).